Ein Kompass für die Erziehung

Irrgarten Erziehung

Mittlerweile existieren unzählige Erziehungsratgeber, Erziehungsforen und Erziehungsstile, die einem wie ein undurchdringlicher Dschungel vorkommen. Welche Erziehungsmethode ist die Beste? Welche Fehler sind unbedingt zu vermeiden? Und was denkt der Rest der Welt über mein Erziehungsverhalten? Eltern stehen unter enormen Druck, den Spagat zwischen Persönlichkeitsentfaltung und Wahrnehmen der erzieherischen Pflichten zu bewerkstelligen.

Erziehungsstile Vor- und Nachteile

Im folgenden finden Sie eine Auflistung verschiedener Erziehungsstile und welche möglichen Auswirkungen diese auf ihre Familie und ihre Kinder haben können.

  • Autokratischer Erziehungsstil

Hier lautet das Kredo: Gehorsam! Eigenitiative oder Selbständigkeit des Kindes werden nicht gefördert. Die Meinung des Kindes wird nicht berücksichtig. Bei dieser Erziehung stehen das Einhalten von Regeln und Folgsamkeit im Fokus. Jeder Regelverstoß hat eine Bestrafung zur Folge. Dieser Erziehungsstil wirkt sehr äußerst negativ auf das Selbst-wergefühl, Selbstbewusstsein sowie Kreativität und Eigenitiative aus. Aggressionen gegen sich selbst und andere können ebenfalls auftreten.

  • Autoritärer Erziehungsstil

Bei dieser Erziehung stellen die Eltern diktatorisch die Regeln, Werte und Normen auf. Oftmals sind mit diesem Stil hohe Erwartungen und Anforderungen an das Kind verbunden. Auch hier ist die Einhaltung der Regeln oberstes Ziel und das Kind hat nur wenig Mitspracherecht. Durch Lob und Tadel werden die Wünsche der Eltern umgesetzt. Die emotionale Unterstützung fehlt aber meistens. Ein geringes Selbstwertgefühl und Aggressionen sind meist die Folge.

  • Antiautoritärer Erziehungsstil

Der antiautoritäre Erziehungsstil fördert die Selbstentfaltung, Persönlichkeit, Selbstbewusstsein, Kreaitivität und soziale Kompetenzen des Kindes, indem möglichst auf Zwänge, Disziplin und strikter Gehorsam verzichtet wird. Manchmal wird dies missverstanden und mit dem völligen Fehlen von Grenzen gleichgesetzt.

  • Demokratischer Erziehungsstil

Bei diesem Stil ist die Meinung des Kindes in allen wichtigen Ent-scheidungen bedeutsam. Sie werden gleichberechtigt eingebunden und in ihren Bedürfnissen und Wünschen wahrgenommen. Dies fördert vor allem Eigenitiative, Selbstständigkeit, soziale Kompetenzen und Kommuni-kationsfähigkeit. Das Kind erfährt zudem Wärme, Einfühlungsvermögen, etc. Alle Familienmitglieder müssen hier dazu bereit sein, sich genügend Zeit für den kommunikativen Austausch zu nehmen.

  • Egalitärer Erziehungsstil

Hier existiert keinerlei hierarchische Sturktur. Die Meinung des Kindes ist ebenso relevant und tragend, wie die der Eltern. Die Selbstständigkeit und Eigenitiative wird hier im besonderen Maß gefördert. Viel Geduld und Zeit sind bei diesem Stil notwendig. Für manche Kinder erweist es sich als folglich schwierig, Regeln und Vorgaben zu beachten, die nicht diskutiert werden können. Hierarchische Strukturen können nur schwer aktzeptiert werden.

  • Permissiver Erziehungsstil

Dieser Stil ist dem laissez-faire Erziehungsstil oder auch dem antiautoritären Erziehungsstil sehr ähnlich. Jedoch gibt es zumindest einen kleinen Rahmen und in sehr beschränktem Maß Regeln, an die sich das Kindhalten muss. Dieser Sitl fördert die eigene Meinungsbildung und das Vertreten des eigenen Stantpunktest. Teilweise neigen die Eltern dazu, ihre Kinder zu stark zu verwöhnen oder das Gegenteil tritt ein und die Kinder erhalten zu wenig Aufmerksamkeit. Es können Probleme beim Nähe-Distanz-Verhalten und in der Beziehungs-fähigkeit auftreten.


  • Laissez-Faire Erziehungsstil

Regeln und Vorgaben gibt es nur sehr wenige und die Eltern zeigen ein eher gleichgültiges bzw. desinteressiertes Verhalten. Im Extremfall kann dieser Erziehungsstil zu Vernachlässigung führen. Dieser Stil wirkt sich besonders ungünstig auf die spätere Bindungsfähigkeit aus. Es fehlt den Kindern die Erfahrung einer stabilen, sicheren Bindung. Auch die schulisch sowie berufliche Laufbahn gestalten sich oft schwierig. Bei Vernachlässigung können Alkohol- und Drogen-missbrauch die Folgen sein.

  • Negierender Erziehungsstil

Dieser Stil ist von völligem Desinteresse am Kind geprägt. Der Erzieher gibt weder Regeln, Vorgaben noch Richtlinien vor. Es fehlt völlig an emotionaler Unterstützung und Geborgenheit. Es findet eine seelische, geistige und körperliche Verwahr-losung und Vernachlässigung statt. Es handelt sich hier um Misshandlung und führt zu tiefgreifenden Problemen im Leben des Kindes.

Welcher Erziehungsstil ist der richtige?

Es ist schwierig den einen "richtigen Erziehungsstil" zu definieren, der für jedes Kind und jede Familie passend ist. Grundsätzlich soll Erziehung folgende Ziele verfolgen:

  • Kinder sollen ihr Potential sowie ihre Persönlichkeit entfalten können
  • Kinder sollen Selbstbewusstsein & Verwantwortungsbewusstsein entwicklen können
  • Kinder sollen ihre Stärken entwickeln und mit ihren Schwächen umgehen lernen
  • Kinder sollen ihre eigene Meinung bilden und äußern können
  • Kinder sollen sozial, kommunikativ und empathisch sein können

Wie erreicht man diese Ziele?

Man erreicht diese Ziele durch einen flexiblen (autoritativen) Erziehungsstil, der unterschiedliche Ansätze vereint und sich den jeweiligen Bedürfnissen, Herausforderungen und dem Entwicklungsstand des Kindes anpasst. Im Zentrum stehen die Auffasungen des demokratischen Erziehungsstils. Manche Situationen erfordern aber auch Anteile eines autoritäten Stils, wenn es notwendig ist, dass Regeln befolgt werden.

Der große Vorteil des flexiblen Erziehungsstiles besteht also darin, dass der Erzieher situationsangepasst handeln kann und nicht nach einem strikten Erziehungsmuster vorgehen muss. Je nach bestehendem Konflikt und je nach Situation, kann mal strenger, mal lockerer eine Problemlösung erfolgen. Die Eltern zeigen insgesamt großes Interesse an ihrem Kind und lassen ihm dennoch genügend Freiraum, um auch eigeninitiativ und kreativ agieren zu können. Allgemein kann man festhalten, dass alle extrem ausgelebten Stile ungünstig für die kindliche Entwicklung sind.

Was sind die wesentlichen Merkmale eines flexiblen Erziehungsstils?

  • demokratische Basis
  • die Meinung und Bedürfnisse aller Familienmitglieder ist wichtig
  • Wertschätzung, Liebe, Aktzeptanz und Zuneigung sind wichtige Eckpfeiler in der Erziehung
  • ein klarer Rahmen mit Grenzen zur Orientierung und Stabilität innerhalb der Familie
  • Stil angepasst an die jeweilige Situation


Vorteile eines flexiblien Erziehungsstils

  • hohes Selbstvertrauen
  • soziale Reife
  • erflogreicher in der Schule und im Beruf
  • emotionale Sicherheit und stabile Bindung
  • Eigenständigkeit wird gefördert
  • Förderung kommunikativer Kompetenzen
  • Respekt und Wertschätzung im Umgang mit anderen
  • mehr Lebenszufriedenheit