Lernhemmungen - Wenn der Kopf blockiert

Lernen ist ein stetiger Prozess zwischen der Umwelt und dem Menschen. Wir alle lernen täglich unbewusst unzählige Dinge. Wir merken uns neue Straßenwege, Namen, Kochrezepte, Filminhalte, Geschichten, etc. Meist bemerken wir gar nicht, dass unser Gehirn ständig neue Wissensinhalte abspeichert und abruft, wenn wir sie brauchen.

Wovon hängt Lernmotivation bzw. Lernerfolg ab?

Was und wie schnell wir uns etwas merken können, hängt von vielen Faktoren ab.

  • Interessiert uns das neue Wissen?
  • Kenne ich bereits Teile davon und kann es mit meinem bisherigen Wissen verbinden?
  • Ist es für mich nützlich, das zu wissen?
  • Bin ich im Moment körperlich und geistig aufnahmebereit?
  • Glaube ich daran, dass ich mir etwas merken kann?


Interesse

Interesse und Neugierde sind wichtige Grundvoraussetzungen, damit unser Gehirn neue Inhalte abspeichern kann. Wir lenken dann unsere Aufmerksamkeit darauf und blenden Störquellen leichter aus. Halten wir etwas aber für langweilig, wird es unglaublich mühsam, sich zu konzentrieren. Das zeigt sich besonders stark bei Kindern und Jugendlichen.

Vorwissen

Es ist für das Gehirn wesentlich leichter, ähnliches Wissen abzuspeichern. Zum Beispiel merke ich mir ein neues Wort in einer fremden Sprache leichter, wenn es den mir bekannten Sprachen ähnlich klingt. (Bett - bed (englisch). Es ist hilfreich, wenn Kinder etwas neues Lernen, in Erinnerung zu rufen, was sie bereits alles zu dem Thema wissen. "Welche Länder kennst du schon und was ist das Besondere an ihnen? Jetzt lernst du dieses Land auch noch kennen." Es werden dann bereits die Gehirnareale aktiviert, die den neuen Inhalt gut abspeichern können. Hierunter fallen auch die so genannten Eselsbrücken. Das sind kleine Geschichten, die beim Merken und Abrufen helfen. Als Beispiel die Reihenfolge der Himmelsrichtungen: "Niemals Ohne Seife Waschen" - Norden, Osten, Süden, Westen.

Nützlichkeit

Alltagsrelevante Inhalte werden ebenfalls leichter gelernt und besser abgerufen. Ich habe in meiner Praxis festgestellt, dass gerade bei Mathematik die Nützlichkeit viel zur Lernmotivation beitragen. Ein Klassiker ist das Einmaleins-Lernen. Das Beherrschen des Einmaleins ermöglicht ein rasches Kopfrechen und erleichtert Alltagsaufgaben. Beim Einkaufen kann die benötigte Anzahl von Lebensmitteln berechnet werden, Die Quadratmeteranzahl eines Zimmers ist leicht berechenbar, wie viele Tage ich auf etwas sparen muss, etc.

Gesundheit

Ausgewogene Ernährung, Schlaf und ein gut funktionierendes Immunsystem sind notwendig, damit ein Kind sich wohl fühlt und das Gehirn in vollem Umfang seine Arbeit leisten kann. Hungrig, müde und leicht kränklich können keine Höchstleistungen erbracht werden.

Erfolgsglaube

Selbstbewusste Kinder, die davon überzeugt sind, dass sie etwas lernen können, haben schneller Erfolge beim Lernen und lassen sich von Misserfolgen nicht so leicht entmutigen.


Wie entstehen Lernhemmungen?

Jede dieser Ebenen kann beeinträchtigt sein und den Lernerfolg negativ beeinflussen. Wenn ihr Kind viele Misserfolgserlebnisse, Selbstzeweifel und hohe Ansprüche an sich selbst stellt, können sehr leicht Lernhemmungen entstehen.

Es entsteht ein Teufelskreis:

Ihr Kind glaubt innerlich nicht mehr daran, etwas lernen zu können. Das Gehirn blockiert daraufhin und tatsächlich wird neues Wissen nur sehr mühselig erlernt und behalten. Die schlechten Schulnoten bestätigen Ihr Kind in dem Glauben, "dumm" zu sein, was zu einer weiteren Verringerung des Lerneinsatzes führt. Dieser Prozess läuft meist unbewusst ab.

Folgeerscheinungen bei Lernhemmungen

Die negativen Erfahrungen führen zu Angst und Vermeidungsreaktionen. Es entwickeln sich oft ausgeprägte Prüfungsängste, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Ängste und körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen.

Lernhemmungen entgegenwirken

Sie können Ihr Kind unterstützen, indem Sie...

  • das Selbstvertrauen und den Selbstwert fördern
  • auf eine gesunde Ernährung und Schlaf achten
  • Ihr Kind bei Misserfolgen ermutigen und aufbauen
  • realistische Anforderungen stellen
  • Ihrem Kind aufzeigen, welche Talente es abseits von Schulleistungen hat. "Schule ist nur ein Teilbereich des Lebens Ihres Kindes und bringt nicht das ganze Potential Ihres Kindes zum Vorschein.
  • Ihrem Kind im Alltag aufzeigen, wo Schulwissen nützlich ist

Wann sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?


Wenn Sie die folgenden Veränderunge bei Ihrem Kind bemerken und trotz Bemühungen, keine Besserung eintritt, sollten Sie sich und Ihrem Kind Hilfe holen.


  • Schlafstörungen
  • starker Prüfungsangst
  • Schulverweigerung
  • körperlichen Symptomen
  • depressiver Verstimmung
  • Gewichtszu- oder abnahme
  • Antriebslosigkeit
  • Reizbarkeit
  • sozialen Rückzug
  • geringem Selbstwert

Werden diese Alarmzeichen zu lange ignoriert, können gravierende Schulprobleme, Verhaltensprobleme und gesundheitliche Probleme auftreten.